Home » Auf der Straße » Sagenhafte Liebesgeschichten am Bocksberg – Mit dem Bulli nach Hahnenklee

So langsam aber sicher neigt sich der Sommer dem Ende. Wenn auch nicht kalendarisch so zeigt sich das Wetter obwohl warm schon fast herbstlich an diesem Samstag. Wir wollen raus! Weg! Wir wollen in die Natur und das normale Wochenendgeplänkel hinter uns lassen. Der Harz, unser „Klein-Kanada“ vor der Haustür lockt mal wieder. Diesmal soll es das Wasserregal Hahnenklee-Bockswiese sein. Schon letztes Jahr konnte uns das Clausthal-Pendant begeistern, so dass uns die Wahl (mit der Prämisse „nur nicht ganz so weit fahren!“ ) den oberen Teil dieser Kaskade auch mal anzuschauen, ziemlich leicht fiel .

Der Bulli ist für eine Nacht schnell gepackt. Premiere für unseren neuen Cargo Back Gepäckkoffer von Fiamma (Fritz Berger, 85,99 €). Wenn keine Fahrräder mit auf die Reise genommen werden die perfekte Nutz-Variante für den Träger, da man das Camping-Sperrgut aus dem Kofferraum und somit aus dem schon ausgeklappten Bett bannen kann. Ebenfalls ein Novum: Wir fahren ohne Grill! Was fast schon frevelhaft erscheint sollte sich im Nachhinein als durchaus gelungenes Experiment erweisen.

Als Bruno seine Feinstaubpartikel zum Start des Kurztrips in den Mittagshimmel bläst, ziehen sich meine Mundwinkel vorfreudebedingt langsam nach Oben. Obwohl man diese Strecke schon etliche Male gefahren ist, wirkt sie immer noch. Die sich auftuenden Berge, die schroffen Felswände am Strassenrand, die dunkelgrünen Tannen-Riesen und die klaren Berggewässer sind das Baldrian für unsere Großstadtseele. Bruno kämpft sich wie schon so oft jeden Höhenmeter Richtung Mittelgebirgs-Ziel. Als wir Clausthal-Zellerfeld passieren, weisen uns schon die ersten Hinweisschilder zum Ziel. Der Campingplatz „Das Kreuzeck“ hält für uns einen wunderbaren Platz direkt am unteren Grumbacher Teich bereit. Der Teich wurde vor 1673 angelegt und diente vornehmlich der Kraftwasserversorgung der unterhalb gelegenen Gruben. Was damals der Bergbau ist heute der Tourismus. Uns nur Recht, denn so nah mit dem Bulli an so ein Gewässer kommt man eben nur selten. Schnell haben wir uns wohnlich eingerichtet. Während der Dackel das Ufer erkundet geniessen wir den Bick auf den Teich und machen uns Gedanken um das Abendessen. Unsere Idee: Selbstgebackenes Fladenbrot und vegetarischer Auflauf im Omina Backofen. Der kleine Schwedentopf vermag so manch Essens-Traum abseits des Grillens wahr werden zu lassen. Der Teig ist schnell geknetet, muss aber noch ein wenig ziehen. Für uns die Gelegenheit die Gegend zu erkunden. Der Blick vom 9,50 Meter hohen und 180 Meter langen Damm ist gerade bei untergehender Sonne schon beeindruckend. Ein wirklich romantischer Moment, welcher mit der Entdeckung des kreuzenden Liebesbankweges noch an Intensität gewinnt. Ein 7 Km langer Premiumwanderweg rund um den Bocksberg mit 25 Liebevoll gestallteten Eichenbänken, unterbrochen durch Gedicht Steine, der Liebesquelle und der Liebesbankhütte. Für uns als tief verliebtes Paar natürlich ein kleines Highlight inmitten der einzigartigen Harzer-Natur.

Aber nicht nur Wanderstationen erzählen von der Liebe auch die Sage vom „Mädchenrathausplatz“ in Hahnenklee, liefert Stoff zum Thema.  So erzählt man sich:

„Wer von Hahnenklee in nordwestliche Richtung – nach Goslar zu – geht gelangt zur Hexenbank am Bocksberg. Eine Mulde am Hang des Berges wird seit alters her als Mädchenrathausplatz bezeichnet.
Einstmals gehörte das gesamte Gebiet zum Klostergut Riechenberg. Auf den Bergwiesen war vor langer Zeit ein bildhübscher Schäfer beschäftigt, den jedes Mädchen gern für sich erobert hätte. Damals wurde auf diesen Nordharzer Bergwiesen noch eine Schafrasse gehalten, die ähnlich der Ziegen des Berglandes, recht ertragreiche Milchlieferanten waren.
Jeden Abend trieb der hübsche Schäfer seine Schafe auf dem heutigen Mädchenrathausplatz zusammen. Dort warteten dann immer schon acht bis zwölf Mägde vom Klostegut um die Schafe zu melken. Alle Mägde machten dem Schäfer schöne Augen und wollten ihn erobern.
Eines Tages waren die Mädchen aus Eifersucht in einen heftigen Streit geraten; jedes glaubte und behauptete, der Schäfer habe gerade sie auserwählt. Der Streit wurde so heftig und verbissen geführt, dass ein Mädchen durch einen Stockhieb getötet wurde.
Der hübsche Schäfer war unschuldig und hatte nichts mit diesem Streit zu tun. Er war von einer feurigen rothaarigen Hexe gebannt, vielleicht sogar verhext. Sie kam jeden Abend, setzte sich auf die Hexenbank und wartete auf den Schäfer. Der konnte nicht anders, es zog ihn Abend für Abend zur Hexenbank – zu der Rothaarigen. So war er für alle anderen Mädchen unnahbar.
Als nun im Kloster Riechenberg die Mordtat bekannt wurde, hielt man am Tatort ein Gericht ab.
Alle beteiligten Mägde wurden zum Tode verurteilt und am Ort der Tat enthauptet. So müsste der Mädchenrathausplatz eigentlich „Mädchenrichtplatz“ heißen. Aber im Mittelalter waren Rathaus und Richthaus ein Begriff und so hat sich der Name Mädchenrathausplatz durchgesetzt und bis heute gehalten.“ Quelle: http://www.harzer-sagen.harz-urlaub.de

So viele Geschichten zum schönsten aller Gefühle mit all seinen Facetten machen hungrig. Der Teig für unser Brot kommt nun in den Topf und auf die Herdplatte. Die Zutaten für den Auflauf schnippeln wir gemütlich mit Blick auf das Wasser. So eine Szenerie gibt es eben nur beim Campen. Während alles final vor sich hin gart, machen wir es uns an der Feuertonne gemütlich. Ein paar neidische Blicke von vorbeiwandernen Mit-Campern können uns bei diesem Genuss wahrlich nicht stören. Einzig der Hinweis, dass hier Nachts Füchse und Wäschbären ihr diebisches Unwesen treiben, und mit Vorliebe Schuhe uns Socken stibitzen schränkt die Gelassenheit ein wenig ein. Gut, dass wir die grosse Box am Heck zum Verstauen von tierisch verlockenden Dingen haben.
Nach einem wirklich leckerem Essen, lassen wir den Abend mit ein paar Gesprächen über unsere Zukunft ausklingen. Das Liebes-Thema hier oben auf 570 m ü. NN scheint gewirkt zu haben. Eng umschlungen, sind die Träume im mobilen Schlafzimmer somit wohl vorherbestimmt.

Das Aufwachen im Bulli und das aufschieben der Tür mit Panoramablick gehört zu einem unsere Highlights bei diesen Trips. Ein deftiges Frühstück mit allen Annehmlichkeiten und ein erfrischendes Bad im Teich soll uns in diesen neuen Tag im Oberharz geleiten. Wir verlassen den Platz, der mit seiner Lage, seiner terassenförmigen Geamtanordnung, Hunderfreundlichkeit, Sauberkeit und Gastronomie (Schoko-Reataurant) nur zu empfehlen ist in Richtung Bocksberg. Der Bocksberg ist der etwa 727 m ü. NHN hohe Hausberg des Goslarer Stadtteils Hahnenklee-Bockswiese. Eine Fahrt mit der Gondel auf die Spitze gibt uns noch einmal den gesamten Blick auf unsere Wochenend-Station frei. Der hektische Trubel dort oben, ist nach so viel Ruhe und Entschleunigung kaum zu ertragen. Wir entscheiden uns diesem den Rücken zu kehren und einmal um den Berg herumzuwandern. Eine 3 Kilometer lange Strecke, die uns erneut die Schönheit dieses Mittelgebirges vor Augen hält. Wieder im Tal und auf dem Rückweg schweigen wir. Veileicht sind es die emotionalen Geschichten, die wir mitgenommen  haben, vielleicht ist es auch nur das kurze Weiterleben der Stille vom Grumbacher Teich.

Es weht der Wind um Hahnenklee ein leises liebes Wort
und wo ich wandre wo ich steh, umtönt´s mich fort und fort.
Es wiegt in seinem Hauch der Tau sich lieblicher im Glanz,
es schmückt auf seinen Wink die Au ein neuer Blütenkranz.
Es rauscht um mich, es wogt um mich der dunkelgrüne Tann,
ich liebe dich, ich liebe dich, so lang ich lieben kann.

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