Von Sterneguckern und Romantik-Meistern – eine Nacht unter besonderem Licht

Es ist Montag, der 13.07.2020. Ich mache Mittagspause und

Feierabend-Bier mit Aussicht!

verschwende meine Zeit am Handy mit dem Leben der Anderen. Christoph, ein Fotograf aus Göttingen hat da etwas gepostet was ich recht interessant finde. Ein Komet, der alle 7000 Jahre

der Erde sehr nah kommt und zur Zeit gut sichtbar am Himmel zu stehen scheint. Dieser Schnappschuss lässt mein Oberstübchen rattern. Ich weiß, man braucht keinen Grund um eine Nacht im Bulli zu verbringen, aber so ein Anlass gibt dem Ganzen doch die nötige Würze. Schnell Bine angeschrieben um die Idee ins abendliche „Wie-kriege-ich-das-Kind-ins-Bett?“-Ritual einzubinden und schon steht die

Ida auf Entdeckerkurs…

Nacht, um die große Sternenschnuppe beim Vorbeiziehen zu beobachten.
Als Aussichtspunkt kommt mir Volkerode in den Sinn. An der „Krücke“, wie die Dorfbewohner ihren Grillplatz liebevoll nennnen, hat man auf 278 mNN (51°28’11.6″N 9°50’49.9″E) einen prima Ausblick auf Göttingen und auf das nördliche Firmamanet an dem sich „Neowise“ zur Zeit befindet. Als der Feierabend beginnt, fahre ich noch schnell in den

nächsten Discounter. Was braucht man an so einem Abend? Bierchen, was zu knabbern und Croissants für den Morgen sollte passen. Während Bine für Ida alles zusammensucht,

Die Lichter der Großstadt…

hole ich schnell die Stühle aus dem Keller und los gehts. Der blaue Himmel ist beste Vorraussetzung für unser Vorhaben und Bruno bringt uns noch rechtzeitig vor dem Sonnenuntergang hoch auf das Plateau der im Naturpark Hann. Münden gelegenen Gemeinde. Ida ist begeistert und läuft wie aufgezogen durch die menschenleere Gegend. Der Bolz- und auch der Spielplatz hat es ihr sichtlich angetan. Das Kind ist kaum zu bremsen. Sie scheint sich ein Beispiel an unserem Dackel zu nehmen, der seine kurzen Beine im Sprint und im Zickzackkurs über die Wiesen bewegt. Ein echt schönes Plätzchen hier oben. Das angrenzende Büschelschön-Feld, welches übrigens von den Landwirten als Begrünung der Stilllegungsflächen angelegt wird und den Bienen ein Fest ist, liefert mit dem Summen der Pollensammler die natürliche Geräuschkulisse. Auch ein Mähdrescher, der das reife Korn noch vor dem angesagten Regen in den nächsten Tagen einfahren will, ist auf dem

C/2020 F3 aka Neowise wurde am 27.03.2020 im Sternbild Achterdeck des Schiffs entdeckt.

Soundtrack des Abends zu finden. Doch das mit dem Wasser von oben ist fern und wir geniessen die letzten

Sonnenstrahlen mit Ausblick auf das Weser-Leine-Bergland. Plan ist es Ida zeitig im Bulli in den Schlaf zu wiegen, um dannim Duo das Spektakel am Himmel zu beobachten. Romantische Vorstellung, die leicht daneben geht, denn Ida will partout nicht schlafen. Wohl noch zu nah sind die Rutsche, das hohe Gras, die Fußballtore und die Freude mal wieder in ihrem geliebten Bruno übernachten zu dürfen. Mit kleinen Kindern muss man eben ein wenig felxibler sein. Als Ida endlich einschläft tut Bine es auch und ich schleiche mich allein aus dem Bus mit der Kamera bewaffnet um den Himmelkörper zu jagen. Das Erspähen ist schwerer als gedacht. Ich orientiere mich am Großen Wagen und muss noch ein ganzes Stück den Weg hinauf gehen um dann endlich den Schweifstern zu erblicken. Leicht ist es nicht

Schöner hätte es die Romantik nicht hervorbringen können…

ihn zu sehen, aber es ist ein ganz besonderer Moment hier oben dem Himmelstreiben zuzuschauen. Ich fühle mich sehr verbunden mit der Natur und bin sehr glücklich auf dieser Welt sein zu dürfen. Noch ein wenig den Zügen, den Polizeiautos und den Schwerlasttransportern auf der A7 zuschauen und sich an den Lichtern der Großstadt erfreuen, bis mir dann auch so langsam die Augen zufallen. Ab in den Bus und Familienkuscheln. Der nächste Morgen beginnt

für mich um 5:00 uhr. Ich möchte der Sonne beim Aufgehen zuschauen. Das mache ich unheimlich gerne, weil ruhig und von unendlicher Schönheit was der Stern da an Lichtbildern zaubert. Um 05:20 hat der Feuerball seinen Auftritt. Tieforange erweckt er den Tag, zeichnet den Nebelfeldern im Leinetal den nötigen Kontrast und lässt das Bienenweiden-Feld wie ein Gemälde aus der Romantik aussehen. So kann ein Dienstagmorgen durchaus mal sein. Meine beiden Damen im Bus werden dann auch so langsam von den Sonennstrahlen wachgeküsst. Ein heisser Capuccino und ein Schokohörnchen helfen den Tag anzugehen. Als die ersten frühen Hundegassigeher auf den Feldwegen zu sehen sind, ist das für uns das Aufbruchsignal um dieses wunderbare Plätzchen zu verlassen. Die Arbeit und der Alltag drängen sich nach Vorn, doch den Blick auf die Sterne werden sie uns nie nehmen können.

 

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