Chillen im Vogelparadies – Familien-Van-Urlaub am Doktorsee

Ja, dieses Jahr ist alles anders, aber irgendwie ändert sich für uns was den Urlaub anbelangt eigentlich wenig. Wir hatten sowieso vor diesen Sommer in Deutschland zu verbringen, lediglich der Massenansturm auf die Camping-Plätze gestaltete die Planung des Familien-Events ein wenig schwieriger. Ein paar Klicks zur Zielfindung auf Google-Maps, sowie ein kurzer telefonischer Check

Randvoll über unseren Köpfen – Diesmal muss ein wenig mehr mit als sonst

betreffend freier

Kapazitäten führt mich zum Camping- und Freizeitpark DoktorSee. Mir durch Berichte in den sozialen Netzwerken nicht ganz unbekannt und in 1,5 Stunden erreicht, anscheinend perfekt für unser Vorhaben.
Wir haben nur einen Slot von vier Nächten und packen diesmal anders als sonst. Meine zwölfjährige Tochter Viki íst glücklicherweise mal mit von der Partie und stellt uns übernachtungstechnisch vor ein Problem, das es zu lösen gilt. Der Bulli ist für vier Personen einfach zu eng und da mit Markise kein Vorzelt mehr möglich, werden wir wohl wieder auf ein normales Zelt als zweites Schlafzimmer zurückgeifen müssen. Das Kleinkind muss wegen dem ruhigeren Schlafen mit der Mutter in den Bus, soviel ist klar. Um Viki aber nicht allein im Zelt schlafen zu lassen bleibt ja nur der Papa der mit unter die Plane zieht. Der Mann von fast 50, der ich bin, möchte allerdings nicht mehr in ein Iglu-Zelt kriechen müssen und sucht deshalb im Netz lieber nach mehr Hochgang. Zack, 120 Euro weg, aber dafür ein Zelt aus dem ich dann auch wieder mit meinen

Mulmiges Gefühl, wenn man weiß was unter der Kuppel steckt…

angeschlagenen Bandscheiben herauskomme. Essen gehen in einem der Restaurants des Platzes wird nicht anvisiert. Zu nervig, das gesamte Prozedere während der Pandemie. Wir wollen alles mitnehmen und planen die Mahlzeiten klar durch. Bei vier Personen kommt da einiges an Ausrüstung und Verpflegung zusammen um so ein Wochenende gemütlich verbringen zu können. Aber dank der Dachbox von Atera, unserem kleinen Westfalia-Anhänger und der Gepäckbox von Fiamma ist alles gut auch außerhalb von Bulli „Bruno“ verstaut. So machen wir uns auf an diesem Samstag in den Sommerfreien endlich wieder ein weiteres kleines Outdoor-Abenteuer zu erleben.

Das Wetter spielt mit als die Reise beginnt und die Landschaft tut das auch. Wir bewegen uns nur auf Landstraßen, passieren Ith und Süntel um dann entlang des wunderschönen Wesergebirges zu rollen. Die Erntezeit steht kurz bevor und lässt die Gegend mit den vielen Kornfeldern wie die Werbung eines

Haus mit Seeblick

löslichen Ersatzkaffees aus den 80ern aussehen. Schon vor sechs Jahren, als wir der Weser bis nach Cuxhaven folgten habe ich diesem Landstrich viel abgewinnen können. So nah und wunderschön. Lediglich die Fahrt vorbei am Kernkrafttwerk Grohnde trübt die Stimmung ein wenig. „Das gehört hier einfach nicht hin!“, flüstert mir Bine zu, um die schlafenden Kinder auf der Rückbank nicht zu wecken. Noch durch des Rattenfängers Stadt Hameln, dann liegt das Ziel direkt vor uns: Rinteln die Weser-Stadt mit ihren 25.000 Einwohnern und dem angrenzenden Doktorsee. Das Gewässer in den Jahren bis 1960 durch den Abbau von Kies und Sand entstanden, verdankt seinen Namen den ursprünglich dort befindlichen Weiden, welche von Professoren der Uni Rinteln für die Viehhaltung genutzt wurden. Die Rinder sind jetzt Wohnwagen, die sich zu Hauf am Eingang des Campingplatzes

Würstchen grillen, Menschen chillen. Cobb macht’s möglich…

tummeln. Wir werden von einem Einweiser zunächst auf den Parkplatz geleitet. Es ist Samstag und Corona, daß heißt hier Hochbetrieb. Doch der Checkin ist schnell erledigt. Endlich können wir auf das 152 Hektar große Freizeitgelände um unseren Familienurlaub direkt am Wasser zu verbringen. Was uns sofort auffällt ist das Mövengeschrei. Ein Audiosignal, daß sofort in den Entspannungsmodus überleitet. Der Wind lässt die Samen von den Birken nebenan wie Konfetti auf uns niedergehen. Unmengen, die sich in die kleinste Ritze unseres Equipments schleichen. Aufgebaut ist mit einer Person, die auf das Kleinkind aufpasst und zwei Personen, die mit anpacken relativ fix. Als das neue Zelt steht, fällt Ida beim Toben auf eine Heringsöse, die irreparabel beschädigt wird und dem gesamten Konstrukt die nötige Spannkraft nimmt. Was so ein kleiner Baby-Po alles bewirken kann!? „Wird schon gutgehen“, denken wir und erkunden ein wenig die Gegend. Der See ist wirklich gross, verfügt auf unserer Seite über mehrere kleine Insider-Badestellen, während am Süd-Ost-Ufer der Badestrand auch für Tagesgäste zur Verfügung steht. Genug Spielplätze sind zur Freude der Kinder vorhanden. Ein griechisches, sowie

Nasser Start in den Tag. Ida findet es super…

ein italienisches Restaurant befinden sich auf dem Platz und auch ein kleiner Einkaufsladen ist vor Ort um sich mit dem Nötigsten zu versorgen. Zusammen mit dem Boots- und SUP-Board

-Verleih schon ein kleines Freizeitparadies hier am Wesergebirge und in Sichtweite der Schaumburg. Doch heute heisst es ausruhen und endlich den Cobb-Grill anschmeißen. Fladenbrot im Omnina-Backofen, saftiges Fleisch auf dem Rost, während sich die Kinder ausgiebig mit der sogenannten „Airlounge“, einem einfachen Luftsofa beschäftigen. Viel braucht es eben nicht beim Campen. Diese Erkenntnis fasziniert mich bei der überreizten Welt da Draußen immer wieder aus Neue. Na ja, Wetter wäre natürlich nicht schlecht, aber in dieser Nacht schüttet es wie aus Eimern. Unser instabiles Zelt scheint dem Wind zu widerstehen, der Menge an Wasser jedoch nicht. Im Halbschlaf höre ich das es von der Decke tropft, bin aber zu K.O. um

Die größte aller Pfützen ist aber auch nicht zu verachten…

irgendetwas dagegen zu tun.

Der nächste Morgen ist trüb aber regenfrei. Zum Glück hat sich nur eine kleine Pfütze im Zelt gebildet. Mein Körper rebelliert ein wenig. Das Schlafen auf den Feldbetten ist im Gegensatz zur komfortablen Matratze im Bus schon eine echte Herausforderung. „Muss so!“, denke ich und mache mich mit den Kindern auf zum Brötchenholen. Jede Menge Kleinflugzeuge zeigen sich durch den nahegelegenen Flugplatz am Himmel und Ida nimmt auf dem

Weg jede Pfütze mit. Es dauert halt dementsprechend etwas länger, denn Pfützen und Flugzeuge nehmen einen sehr hohen Stellenwert im Leben unserer Kleinsten ein. Um Ida am Mittag in den Schlaf zu rollen, starten wir zu einer Seeumrundung. Mit FlipFlops an den Füßen und irreführender Beschilderung kein leichtes Unterfangen. Neben uns beziehen neue Nachbarn den Platz. Eine „Dreadlock-Famile“ mit großem Wohnwagen und neuem Touran – irgendwie ein kleiner Widerspruch in sich, aber komfortabel ist halt In. Die Vogelwelt die der See zu bieten hat ist schon sehr üppig. Abgesehen von den Tauben und Krähen, die ständig um uns herumflattern, sind es die Lachmöwen, die Schwanenfamilie, die Haubentaucher und die Kanadagänse, welche hier für den nötigen Sound im Hintergund sorgen. Für Ornithologen schon ein kleines Paradies.

Verschnaufspause auf der Kiesbank

Der Tag darauf fängt mit ein wenig Fernsehen im Bulli an. Viki und ich haben gehört, das Ida wach ist und kuscheln uns einfach mit in den Bus. Die Sendung mit der Maus hilft unsere müden Augen ein wenig an den Tagesmodus zu gewöhnen. Heute wollen wir Tretboot fahren und tingeln nach dem Pancake-Frühstück voller Tatendrang zum Bootsverleih. Als wir das Boot besteigen wollen fängt es an zu regnen und will auch gar nicht mehr aufhören. Schutz bietet uns die Markise des kleinen Einkaufsladens. Die Berechtigung hier sein zu dürfen erkaufen wir uns durch ein leckeres Eis aus der Truhe. Während sich die Wolken mal so richtig entleeren, fröhnen wir genüßlich der Sünde am Stiel. Momente, die in Erinnerung bleiben. Zurück am Stellplatz hört es dann auch auf zu schütten und die Sonne bricht durch. Statt Boot eben Baden ist der Gedanke und es

Entlang der Weser…

wird sich ins kühle Nass begeben. Der Kiessee ist recht warm und kann witzigerweise mit einigen Kiesbänken

weiter Draußen aufwarten. Schon cool so mittendrin einfach stehen zu können und Muscheln mit dem Fuß zu angeln. Um Ida wieder ein wenig Ruhe zu veschaffen geht es zu Fuß zur angrenzenden Weser. Beruhigend wie der Strom seinen Weg zum Meer nimmt und auch die Landschaft in ihrer sommerlichen Pracht ein echter Augenschmaus. Pefekt übrigens auch für Fahrradfahrer der angrenzende der Weser-Radweg. Am Abend kommt der Nachbarsjunge Luis zu uns ans Zelt. Luis ist mit seinem Opa unterwegs, wohnhaft

in dem nahegelegenen Porta Westfalica, und freut sich in Viki und Ida Spielkameraden gefunden zu haben. Für Bine und mich Zeit auf den See zu schauen und die Stille zu genießen. Die Nacht ist ruhig, wolkenlos und warm. Als alle schlafen setzte ich mich noch einen

Moment hinaus und schaue zu wie wie die Sterne sich im Wasser spiegeln. Eine natürliche Lava-Lampe, die mich sehr gut schlafen lässt.

Mitbewohner auf einen Blick

Man wacht ja in einem Zelt nie alleine auf. Abgesehen von den darin befindlichen

Personen gibt es jede Menge Mitbewohner. Durch die Nächte im Bulli hatte ich das fast verdrängt. So sagen einem die Ameise, die Kellerassel, der Falter, die Spinne, die Raupe und der Ohrenkneifer auf ihre krabbelige Weise guten Morgen. Gut soll er werden, denn die Bootsfahrt ist nun endlich möglich. Ida hat noch ein wenig Angst als Viki und ich in die Pedale treten, aber dann hat sie irgendwann verstanden, dass es auch Spaß machen kann hier Draußen. Nassgeschwitzt vom Treten springen Viki und ich nochmal ins Wasser. Wir haben keine Lust auf den Strand an dem sich alle tummeln und wählen wieder den Zugang vom Vortag.

Das Chili con Carne von der Moovita-Platte rundet den Tag sehr lecker ab. Mit ein wenig wehmut

begeben wir uns dann an diesem letzten Abend in unsere Gemächer. Als der Geist gerade zur Ruhe kommt, bricht bei den Dreadlock-Nachbarn ein Streit vom Himmel. Mutter und Tochter schreien sich an. Es klatscht, knallt und Tränen fließen. „Wann ist der Moment einzugreifen?“, denke ich mir. Das denken sich bestimmt auch alle anderen Camper in der Umgebung, denn die Lautstärke dieser Auseinandersetzung ist schon im

Während sich die Nachbarn streiten, weiß diese Familie wie es richtig geht…

mens. Viki und ich verlassen zumindest unser Zelt um Präsenz zu zeigen. Wir schauen uns nur an und wissen ohne Worte, dass wir so nie miteinander umgehen werden. Vater sein ist wahrlich nicht einfach, aber die Arme einmal mehr aufhalten oft um so leichter. Schade, ein durchwachsener Abschluß aber auch eine echte Erkenntis. Kinder sind das wichtigste auf der Welt und egal was Sie tun, getan haben und tun werden, wir Erwachsenen tragen eine Teilschuld daran. Familie ist es was zählt und dieser Urlaub hat wieder einmal gezeigt was das Zusammensein mit den Liebsten für den Geist tun kann. Wie sagt meine Mutter immer: Balsam für die Seele. Schön war es am Doktorsee und hätte gerne noch ein wenig länger andauern können. Aber so ist es immer wenn es am schönsten wird…

Noch ein Hinweis zum Schluß: Im Doktorsee können sich nach einer Wärmeperiode Blaualgen bilden. Bitte achtet beim Baden auf etwaige Schlieren und meidet diese bitte. Weiterhin sollte das Verschlucken von Wasser vermieden werden. Eltern sollten besonders auf ihre Kinder achten. Hunde dürfen das Wasser auf keinen Fall trinken. Einfach auf die Hinweise vor Ort und im Netz achten. Muss nicht sein, aber kann und sollte von einem Besuch in diesem Paradies nicht abhalten.

Hinweis: Enthält Werbung/Markennennungen. Gutes Zeug verdient Erwähnung!

Ein Kommentar

  • Miehling

    Wunderschöne Bilder! Ich habe gerne über Ihren Ausflug gelesen. Es ist schön, einen Familienvan zu haben. Ich freue mich auf Ihr nächstes Reise-Blog-Update.

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