Kontrolle der Kontrolleure – HU-Prüfergebnisse stets hinterfragen

Wenn die Prüfplakette nach zwei Jahren wieder fällig ist wird es bei vielen Autofahrern spannend. Im Falle eines Fahrers der sein Auto kennt, liebt und pflegt umso spannender, wenn dann doch mal der Sachverständige etwas zu bemängeln hat. So geschehen vor einigen Tagen, als ich Bruno guter Dinge dem Überwachungsverein vorstellen musste. Ein wenig ölfeucht hier, ein defektes Lämpchen da, doch der eigentliche Grund warum der runde Zweijahressticker nicht erteilt werden sollte waren in den Augen des jungen, studierten Prüfers die AZEV-Felgen, die nicht zur Original-Ausstattung des Vans gehören. Im Grunde korrekt, aber mit ABE und Einzelabnahmenachweis doch erlaubt. Nach Vorlage der Dokumente von 1995 bemerkte er, dass die Felgen zwar erlaubt aber fälschlicherweise nicht eingetragen worden seien. Eine irritierende Aussage, wenn man bedenkt, dass die Felgen schon seit über 25 Jahren auf dem Fahrzeug sind und wohl kaum alle Prüfer in den Vorjahren dieses Faktum hätten übersehen können. Was der Sachverständige aber vor lauter Überheblichkeit tatsächlich in dem Dokument übersah, ist der Satz

Eine Berichtigung der Fahrzeugpapiere ist nicht vorgeschrieben aber möglich.”

Nach einem Fingerdeut von mir bekam ich zu hören: “Nun gut, aber dann

Jeder Satz hat seine Bedeutung. Genaues Lesen kann Missverständnissen vorbeugen.

muss ich die Felgen eintragen und dann verliert der Bus das H-Kennzeichen, weil die Felgen viel jünger sind!”. In der Annahme, dass hier ein fachkundiger Profi am Werk sei und ich das “H” natürlich nicht verlieren wollte, gab ich mich vorerst damit zufrieden und rollte enttäuscht vom Hof um Luft zu holen. Doch wie konnte es sein, daß das “H” trotz der Felgen seinerzeit verliehen wurde? Ein Anruf bei einem Freund und Kenner was Automodifikationen betrifft schaffte Aufklärung. Der zuätzliche Blick auf die Seiten des Überwachungsvereins Gewissheit. So steht dort in der Broschüre zum Oldtimer-Gutachen, dass Umbauten erlaubt sind, wenn sie

in den ersten 10 Jahren der Zulassung erfolgt sind oder hätten erfolgen können“.

Wenn man nun das Gutachten der Felgen von 1995 mit dem Baujahr 1988 von Bruno gegenrechet, dann sollte es dem Sachverständigen doch auch auffallen, dass die Felgen höchstens sieben Jahre älter und somit völlig legal und ohne Folgen für das “H” auf dem Bus stecken. Offensichtlich nicht und somit war es mir ein regelrechtes Fest mit allen Fakten bei einem weiteren Termin plakativ darauf hinzuweisen. Peinlich berührt, mit ein paar Bermerkungen zu den kleineren Mängeln ablenkend, bekam Bruno endlich seinen temporären Sticker.
Lasst Euch also nicht alles gefallen, prüft selbst jedes Schriftstück und jeden Sachverhalt nach um am Ende an Eurer Recht zu kommen, denn es gibt keine Instanz da Draußen die solche Kontolleure kontrolliert. Ein abgeschlossenes Studium an einer Universität, einer Technischen Hochschule oder einer Fachhochschule ergibt wie bewiesen – und das wieß ich aus eigener Erfahrung – noch lange keine Qualifikation in der realen Welt. Auch ein Durchschnittgehalt von über 50.000 Euro im Jahr ändert daran leider nichts. Hinzu kommt wohl auch der Reiz eine gewissen Macht inne zu haben und diese ausspielen zu wollen. Aber genug aufgeregt, es gibt bestimmt auch andere und ihm war es vielleicht eine Lehre, oder er lässt Bruno deswegen nächstes Mal erst recht durchfallen. Trotzdem, geht den Dingen auf den Grund,denn oft sind gerade die Unfehlbaren nur ungeprüft fehlerfrei.

2 Kommentare

  • Felix

    Oh Mann das ist echt immer ein Drama. Man sollte immer drauf achten, dass die Leute auch Ahnung haben. So ein Klassiker ist auch “die hinteren Radlager haben Spiel”. Ein routinierter Prüfer schickt den Satz “ist ja normal bei dem Auto” hinterher. Ich bin zum H-Gutachten mit nagelneuen Ronal-Felgen gefahren. War eine Neuauflage aus den 80ern also “neu” aber “zeitgenössisch”. Der Prüfer machte mir anfangs ein kurzes Kompliment für die schicken Felgen und ging dann ans Werk. Auch das Minidisc-Radio war kein Problem. Der Mann war ziemlich kompetent und man merkte er hat viel Erfahrung mit solchen Kisten hat. Haste nen anderen Prüfer ist das Desaster vorprogrammiert. Ich hoffe du hast dir ne andere Station gesucht.
    Viele Grüße

    • Bernie

      Hi Felix, die Station belibt diesselbe. Die sind ja jetzt missioniert ;-). Aber ja, ich gebe Dir Recht, Routine und Fachwissen sind an der Stelle echt gefragt. Ist ja auch deren Job – eigentlich.

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