Die Sommerolympiade der VW-Klassiker – das neunte Volkswagen-Veteranen-Treffen in Hessisch Oldendorf

Je länger die Wartezeit auf ein außergewöhnliches Ereignis, desto größer sein Genuss. So zumindest ist es bei großen Sportevents und beim alle vier Jahre stattfindenden Volkswagen-Veteranen-Treffen in der niedersächsischen Kleinstadt Hessisch Oldendorf. Ende Juni dieses Jahres war es dann endlich wieder so weit: Vier Tage lang strömten in der neunten Ausgabe VW-Oldie-Fans aus aller Welt durch die historischen Gassen des Ortes und machten „HO“ erneut zu einem der wichtigsten Treffpunkte der internationalen Szene. Dementsprechend heiß ging es her, denn neben den Temperaturen, die sich weit über 30 Grad einpendelten, ließen vor allem die teilnehmenden Fahrzeuge und das Rahmenprogramm die knapp 40000 Besucher ordentlich in Wallung kommen. Kein Wunder bei 900 fein nach Modell aufgereihten Klassikern, deren Baujahr laut Reglement von 1957 bei Zivil-Käfern und bis 1967 für alle anderen Luftgekühlten reichte. Der Typ 1 war es auch, dem wieder der größte Anteil oblag, sei es mit brezelförmigem und ovalem Heckscheibenfenster oder gar als edles Cabrio des einstigen Karosserieherstellers Hebmüller. Gefolgt von den Transportern der ersten Generation, Karmann-Ghias, Militärfahrzeugen und reichlich Sonderausführungen eine Mischung, die so auf keinem anderen VW-Event zu finden ist. Tägliches Nadelöhr als Einfahrt zur 24800 Quadratmeter großen Freiluftausstellung ist die Weserstraße in Richtung Innenstadt. Hier stehen nicht nur die teilnehmenden Autos Schlange, um ihre Plätze zu erreichen, sondern auch unzählige Menschen aus 27 Nationen, die im Anmeldebüro das Willkommenspaket oder die Merchandise-Produkte des Treffens entgegennehmen wollen. Zur Linken liegt der Gutshof, auf dessen Flächen der riesige Teilemarkt seinen Platz gefunden hat. Hier kann sich der VW-Enthuisiast auf die Suche nach Dingen begeben, die zu seinem Sammlerherz, aber vor allem an sein fahrbares Schätzchen passen. Zur Rechten findet man sich in der offiziellen Welt von VW-Nutzfahrzeugen wieder, in der zwei ganz besondere Exemplare aus dem werkseigenen Fundus zu finden sind. Unübersehbar thront wohl einer der kuriosesten Bullis überhaupt, die Bus-Draisine, bzw. im Bahn-Sprech der „Klv 20“, sicher auf seiner eisernen Spur. 1954 gebaut und eines von 31 Exemplaren, das aufs Gleis gesetzt wurde, um für Instandhaltungsarbeiten der DB im Einsatz zu sein. Daneben steht recht unscheinbar sein Urahn, der Plattenwagen. Auch wenn es sich hierbei nur um den originalgetreuen Nachbau der nicht mehr existenten Werkshelfer inklusive Eichenbohlen aus den Wolfsburger Wäldern handelt, ein in den historischen Kontext der Veranstaltung äußerst passend platziertes Stück VW-Geschichte. Die direkte Fortsetzung findet sich nach Passieren des Willkommens-Banners in den aufgereihten Barndoor-Bussen aus dem Jahr 1950 – ein kultiges Line-up, welches das britische Streetwearlabel Cool Flo werbewirksam initiiert hat. Gegenüber das krasse Gegenteil, eine flache Ansammlung von SP2-Sportcoupés. Offiziell nie in Europa verkauft, um dem Scirocco nicht die Show zu stehlen, gilt der im Großraum São Paulo produzierte Brasilianer hierzulande immer noch als Exot. Da Organisator Traugott Grundmann sich nach einer Einladung in die südamerikanische Metropole nun bei den brasilianischen VW-Fans revanchieren wollte, waren es der Anlässe genug für diese Sonderausstellung. Wenige Meter weiter steht genau vor jener Kirche, in der er 2022 schon zum gefeierten Fotomodell wurde, der älteste Volkswagen der Welt. Der von Traugott und seinem Sohn Christian Grundmann liebevoll restaurierte Prototyp W 30 aus dem Jahr 1937 ging durch alle Medien und wirkt in seinem grauen Nitrolack in der Menge der Hochglanz-Verwandtschaft hier schon fast verloren. Mit reichlich Tamtam rollt dagegen der jüngst von den Grundmanns ebenfalls wieder ins Leben gerufene Norderneyer Dünen-Express durch die Straßen. Wunderschön anzuschauen, passt das Gefährt aufgrund seiner lokalen Wurzeln im Bückeburger Harmening-Werk des Nachbarlandkreises auch ohne Strandnähe perfekt ins Ambiente. Ein actionreiches Highlight der Veranstaltung ist zweifelsohne die Schwimmwagen-Parade auf der Weser. Beeindruckend, wie diese uralten Amphibienfahrzeuge sich noch so sicher über den Fluss und vor allem aus ihm heraus bewegen. Erwähnenswert zudem, was sich bereits im Vorfeld des offiziellen Beginns in Richtung Hessisch Oldendorf bewegte. Wochen zuvor fuhr bereits ein T1-Bus-Duo aus Malaysia in die Stadt ein. Während der 20000 Kilometer Anreise auf eigener Achse pflanzten die Fahrer im Rahmen ihrer Kampagne „Trip4Trees“ 100000 Setzlinge, um ihren CO2-Abdruck zu mindern und etwas Nachhaltiges für das globale Öko-System zu tun. Zur Wochenmitte rollten im Rahmen der Rallye „Großer Preis von Strähle“ ganz im Stil der Oldspeed-Races in den 50er und 60er Jahren schon zahlreiche Luftgekühlte von Wolfsburg in die hessische Kleinstadt ein. Als Fortsetzung des „Petermax Müller Gedächtnis Rennens“ eine schöne Huldigung an die zwei legendären Rennfahrer und den Volkswagen-Rennsport von damals an sich. Einen Tag später erreichte der vom belgischen Teileanbieter BBT organisierte VW-Oldtimer-Konvoi Hessisch Oldendorf als sein angepeiltes Tourenziel. Weitere 200 Fahrzeuge mehr auf der unglaublichen Liste derer, die dort am Wochenende zu bestaunen waren. Nach diesem so leidenschaftlich organisierten 30-jährigen Jubiläum des weltweit größten Treffens historischer Volkswagen bleibt nun nur die Hoffnung auf eine Fortsetzung. Die Organisatoren klingen zumindest optimistisch und wer die Zeit bis dahin überbrücken will, kann dies mit dem im Herbst erscheinenden HO26-Begleitbuch der Macher des Lüftkuhlers-Magazins tun. In diesem Sinne ganz international: „Back to the 2030-Show in the world-famous Hessisch-O.!“

Mehr Infos unter: https://www.uraltkaefer.de/

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