Die Auferstehung einer Legende – Das VW Bustreffen in Soltau
Was 1998 als Idee begann und 1999 dann 20 Jahre lang im Südsee Camp Wietzendorf bis zum Corona-Aus fortgeführt wurde erlebte in diesem September seine Auferstehung. Die Veranstalter des einst größten Treffen Deutschlands luden ein zu einem Revival auf dem Campingplatz Imbrock nur wenige Kilometer vom damaligen Veranstaltungsort entfernt. Für mich, der über dieses Treffen zum Busenthusiasten wurde, eine Pflichtveranstaltung.
Wenn ich ehrlich bin war ich hin- und hergerissen was diese Neuauflage anbelangt. Als bekennender Südsee Camp Fan, der seit dem Aus des Treffens dennoch jedes Jahr mit der Familie treu vor Ort war um in nostalgischen Momenten zu schwelgen, ist dieser Standortwechsel kaum mit meinem inneren Monk in Einklang zu bringen. Schlimm genug, dass Kumpel Patty kurz vorher krankheitsbedingt storniert, ist es reichlich komisch nach der Autobahnabfahrt rechts statt links in Richtung Südsee Camp abzubiegen. Aber ich will mich davon lösen, einlassen auf das was da kommt und bin recht
angetan von dem Areal auf dem ich meinen 90-Euro-Wochenendstellplatz beziehe. Hier auf der höchsten Ebene des Campingplatzes, der vier weitere, nicht untereinander verbundene und in verschiedenen Höhenlagen liegende Bereiche inmitten eines Wäldchens bietet, fühle ich mich aufgehoben. Viele bekannte Gesichter nehmen mir schnell das Gefühl der Einsamkeit, das sich durch das Ausscheiden von Patty breit gemacht hatte. Nachdem ich mich häuslich eingerichtet habe, Zeit für eine ersten Rundgang. Ein
Großteil der geschätzten 500 Busse, die, wie es damals auch schon üblich war, zu einem hohen Prozentsatz aus Vans der dritten Generation bestehen, parken tatsächlich auf der Wiese auf der auch ich mich niedergelassen habe. Gute Ausgangsbasis, da nahe an der Anmeldung, also dem Brötchengeber und den eigens für das Treffen engagierten Verpflegungsständen. Gegenüber steht Marco aka der Teilegott mit seiner Wilden 13 für die
abendliche Music & Light Performance in den Startlöchern, während daneben einige extravagante Fahrzeuge aus dem Tennisplatz kurzerhand eine Show & Shine Bühne gemacht haben. Darunter auch Busse der Community „T3-Society“. Autos scheinbar ohne Makel, die mich schon damals in Wietzendorf fasziniert haben. Als ich mich weiter hinab zu den einzelnen Campingflächen bewege ploppt in mir der Vergleich zu den schwebenden Inseln im Film Avatar auf, nur dass mir hier kein Drache zu Verfügung steht um die Wege zu den
anderen Lagern zu erreichen. Insbesondere die Strecke zum See zieht sich ohne Klappi ein wenig, was aber einzig und allein daran liegt, dass man beim Fußmarsch dorthin so wie man es von anderen Treffen auf einer zusammenhängenden Ebene her kennt, keine Busse rechts und links als Ablenkung und somit Linderung der Anstrengung zu sehen bekommt. Die Infrastruktur des Platzes selbst ist für das Treffen völlig ausreichend, auch wenn hier und da Stimmen zu vernehmen sind, die die Sanitäranlagen als „in die Jahre gekommen“ bezeichnen. Wieder am Platz, sinke ich voll der Eindrücke in meinen Campingstuhl nieder um Patty von den Begebenheiten zu berichten. Anmerken muss ich dabei aber vor allem wie warm man in dieser Szene aufgenommen wird unabhängig vom Ort des Geschehens.
Sie ist von Ehrlichkeit sowie von starker Gastfreundschaft geprägt, die ich an diesem Wochenende als Solist von vielen Busbegeisterten erfahre. Insbesondere bei der Truppe „Lowdown Bus Germany“, die ihre tiefen 6.1-Busse auf feinste Art und Weise präsentiert und praktischerweise gleich ein ganzes Partyzelt inklusive Theke aufgebaut hat, fühle ich mich pudelwohl. Man kennt sich eben, hat sich anderswo schon mal getroffen, Teile gegen Geld getauscht oder folgt sich in den sozialen Medien.
Komischerweise verlassen einige Händler bereits am Samstag im Laufe des Tages das Treffen. Über das Warum kann nur spekuliert werden – Fakt jedoch ist, dass an diesem Wochenende auch das Bullitreffen in Sandstedt seine Tore geöffnet hat, welches sich in den Jahren nach Wietzendorf durch den nicht besetzten Termin eine beachtliche Fangemeinde erarbeiten konnte. Wie dem auch sei, für mich ist dieses Wochenende Soltau angesagt, eine Veranstaltung auf der ich mich ob der Menschen zunehmend wie in einer Familiengemeinschaft fühle und mit der Ankunft von Franklin D. Costa
und seinem neuen T3-Pritschekunstwerk dann noch einmal belohnt werde. Ein Hot-Rod-Künstler dessen Arbeiten in der Szene legendär sind und der vor allem menschlich gesehen mein Herz schon in Wietzendorf weit geöffnet hat. Neben Stockbrotfeuer und Discoabend werden auch hier in Imbrock alle Möglichkeiten, die der Campingplatz zu bieten hat ausgekostet. Ich für meinen Teil habe am frühen Samstagabend fertig. Schnell noch vor dem möglichen Regen mit freundlicher Unterstützung der Nachbarn alles abfahrbereit gemacht, um dann resümierend in die Koje zu kriechen. Schon halb im Traumland lässt es sich bildlastig so zusammenfassen: Die Mutter aller Treffen in Wietzendorf hat sich aus dem
Show-Business zurückgezogen, während ihre Zwillingsschwester es auf einer anderen Bühne noch einmal wissen will. Nicht weniger talentiert aber ohne die einstige Souffleuse ihrer anderen Hälfte noch mehr gefordert. Eine Umbesetzung die umumstößlich scheint, obwohl die Bedeutung des Treffens und die Verbindung zum wunderschönen Südsee Camp fest im kollektiven Gedächtnis meiner Familie verankert ist. Übrigens, wie ich beim Camping Check zum Bulli-Summer-Festival mit Friso Richter sehen konnte, sind wir diesbezüglich nicht die einzigen.
Wichtig jedoch ist, das Treffen in Soltau wie in meinem Gleichnis beschrieben, nicht als Fortsetzung sondern als ein neues Format anzusehen, dass sich zwar noch weiter beweisen muss, aber dessen Existenz die Szene nur bereichern kann. Unter dieser Prämisse ein guter Anfang mit tollen Leuten, eindrucksvollen Momenten, einer guten Organisation und Fortsetzung in 2027.









