Home » Auf der Straße » In der Wagenburg am Trommelfeuer – Das 9. Oberweser-Bullitreffen

Wieder einmal die Stadt im Rückspiegel lassen.

Ich schwitze! Ich schwitze aus allen Poren, denn so eine Packliste will am Freitag Mittag nach der Arbeit innerhalb einer knappen Stunde ordentlich abgerabeitet werden und wir sind viel zu spät. Zu spät für unsere Verabredung zum Mini-Konvoi für das nunmher neunte Oberweser-Bullitreffen in der kleinen Ortschaft Weißehütte direkt am Ufer des Werra und Fulda Kindes.

Wo ist sie nur immer wenn man sie braucht? Zeit scheint bei der Vorbereitung zu einem Wochenende mit Bulli im Vorfeld immer absolute Mangelware zu sein. Vielleicht nehme ich mir aber auch jedesmal zu v

Nicht nur das Banner heisst uns willkommen…

iel vor oder scheitere an meinem Perfektionismus. Dieses „Nerdtum“ rächt sich an diesem Start ins erste Juni-Wochenende durch das rasche Anspringen einer ausgedehnten Körperkühlung. Nassgeschwitzt werfe ich die letzten Untensilien für unser erstes Bulli-Treffen in diesem Jahr in den Van. „Irgendwas haben wir eh vergessen!“, kommentiere ich vor mich hin als wir endlich auf der Strasse sind. „Vergessen“ scheint das richtige Stichwort zu sein, denn an den kommenden zwei Tagen wollen wir uns mit Freunden nur auf zwei Dinge konzentrieren: Kultautos und die Menschen drumherum.

 

Basislager errichtet. Mission kann starten.

Der Weg ist kurz, macht aber unheimlich viel Spaß, da das Weserbergland schon echt schön anzuschauen und befahrbar ist. Patty rollt in seinem lianengrünen Joker konstant und immer in Rückspiegelreichweite hinter uns her. Nach einer knappen halben Stunde überqueren wir die Weser, den Strom, den wir 2014 bis zu seinem Ende gefolgt sind, und rollen auf dem Campingplatz Weissehütte ein. Schon am Eingang treffen wir viele bekannte Gesichter der Szene. Die „Transporter-Familie“ heisst ihre Göttinger Söhne herzlich willkommen. Der Platz lässt noch ein wenig Spielraum für „Zwei-T3-mit-Anhänger-Tetris“. Gar nicht so einfach für mich als völlig üngeübten Anhänger-Lenker. Als wir endlich unsere Landeposition eingenommen haben, die Sitzmöglichkeiten nach Draußen verlegt und ein Kaltgetränk die Kehle benetzt, beginnt unsere Mission des Vergessens. Während es die Damen am Abend eher chillig angehen lassen, streunern Patty und ich durch die Reihen. Was gibt es Neues, wo holt man sich Inspiration, wer ist neu

Pläne schmieden und Unsinn reden – Die beste Kombi von Themen.

hinzugekommen und wer weilt nicht mehr unter uns. Auf Stand gebracht merken wir wie die Woche von uns abfällt. Noch schnell die Mägen mit heissem Grillgut und frischem Brot aus dem Omina-Backofen gefüllt verschlägt es uns müde Krieger in die blechernen Festungen.

Dank Dackel braucht es keinen Wecker. Pünktlich um sieben Uhr wird kratzend das Gassigeh-Recht eingefordert. Leicht von Innen und Aussen benebelt wate ich in FlipFlops über die feuchten Wiesen an der Weser. Rein objektiv betrachtet wohl ein eher trauriger Anblick, doch ich fühle mich sehr gut hier Draußen, während der Strom still vor sich hin fliesst und die Gedanken an den Alltag mitgenommen zu haben scheint. Das kann eben nur Camping.

Ein Fort aus stählernen Kutschen.

Die frischen Brötchen und ein kalter Kakao am gemeinsamen Frühstückstisch erledigen den Rest.
Im Laufe des Tages findet sich Kevin mit seinem braunen T3-Joker ein. Der Kumpel aus vielen gemeinsamen „Freiermitdreier-Episoden“ macht unsere Wagenburg zusammen mit Jan-Hendriks T2 komplett. Man kocht, redet Unsinn und feiert die Gemeinsamkeiten. Ein Zustand den ich genauso von vielen Festival-Besuchen kenne und liebe. Als dann noch die Band „Waldmeister ist Retro“ in Sichtweite losrockt, ist das Feeling komplett. Das Duo versteht es die Bulli-Gemeinde aus ihren Bussen zu locken. Am Ende werden die Berliner ordentlich abgefeiert und damit quasi für nächstes Jahr zwangsverpflichtet. Am Feuer der Waschtrommel wird dann noch lang über geplatzte Rockstar-Träume und dessen Vorteile sinniert, während ein sternklarer Himmel den nächsten wunderbaren Tag ankündigt.

Gähhhhn! Wer brauchte Gehörschutz?

Ein zärtliches „Guten Morgen“ in Richtung meiner Frau bleibt unbeantwortet. Die bunten Stöpsel in ihren Ohren sind stille Zeugen einer wohl lauten Nacht. Während mir die hohe Pollenkonzentration schnarchend zu schaffen machte, würgte Charly die staubsaugerartig inhalierten Essenskrümel vom Vorabend wieder hoch. Mit schlechtem Gewissen schleichen wir uns raus durch die Nebelschwaden auf unsere feuchte Wiese. Von hier aus betrachten wir nochmal das Gelände mit seinen ca. 150 Autos. In jedem dieser Vans fanden wohl schon dutzende ähnlicher Geschichten statt – Ein Gedanke der mir ein Lächeln auf die Lippen zaubert und auch auf dem Heimweg von diesem echt schönen Treffen noch lange erhalten bleibt. Mehr davon bitte!

Danke an Bibi für die Ergänzung dieser Fotostory!

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