Home » Auf der Straße » Von Träumen und ihrer Umsetzung – Ein Roadtrip durch Südschweden zu Mittsommer (Teil 3)

Die großen Findlinge in den Wäldern jenseits der Autoscheibe wirken wie stumme Riesen, die uns den Weg zu unserem nächsten Halt weisen wollen. Öland soll es sein, jene Insel, die mit ihrer

War da nicht gerade ein Troll zwischen den Steinen?

mediterranen Art und den langen weißen Sandstränden selbst die Köngisfamilie des Landes Jahr für Jahr lockt.
Für uns als Familie steht vor der Überfahrt aber erstmal die Versorgung an. Mittlerweile kommen wir gut mit dem schwedischen Supermarkt-Sortiment zurecht und können so ziemlich alles deuten

was auf den Etiketten steht. Schon faszinierend wie schnell man sich an ein Land und dessen Alltag anpassen kann. Mit vollem Kühlschrank und genug Windeln im Gepäck fahren wir auf die Ölandbrücke, die mit ihren sechs Kilometern Länge die Kalmar auf dem Festland mit Färjestaden auf der Insel im Osten verbindet. Unser Bulli rollt auch über Schwedens längste Überführung ohne zu Murren. Man könnte meinen er habe sich an diese Art der Wasserüberquerung schon gewöhnt. Das dünn besiedelte Öland wirkt anders als der Teil von Schweden in dem wir uns bislang

bewegt haben. Man glaubt sich aufgrund

Vierarmige Begrüßung auf Öland

der kargen Landschaft im Süden Europas zu befinden. Auch die alten Windmühlen am Straßenrand und die vielen Schilder, die den Touristen den Weg zur Kartbahn, zum Flohmarkt oder Freizeitpark weisen, lassen ein solches Feeling aufkommen. Das gute Wetter tut sein übriges. Nur die Ruinen des Schlosses Borgholm aus dem 12. Jahrhundert als stumme Zeugen der kriegerischen Vergangenheit Schwedens heben diesen Eindruck wieder auf. Die ein wenig gespenstisch wirkende Kulisse war übrigens auch Drehort für das Video zu “Listen to your heart” von Roxette. Wir haben bei dieser Reise auch viel aus unserem Herzen hinaus entschieden und sind voll des Glücks nun über die volle Länge der Sommerinsel zu rollen. Nach über 80 Kilometern erreichen wir unser Ziel, den Böda Sand Beach Resort.

Filmreife Performance nur ohne Wassermelone

Schon der Check-In mit mehreren Fahrspuren lässt auf was Großes schließen. So ist es dann auch – Als die Schranke passiert ist sind wir versucht

Wie bei Dirty Dancing – Urlauber wollen eben beschäftigt werden

an „Kellerman’s Resort“ aus dem Film Dirty

Dancing zu denken. Auf einem riesigen Freiplatz turnen unzählige Campbewohner in voller Sportmontur nach Vorgabe der Trainerin. Ein Bild, dass wir so schnell nicht vergessen werden und uns in unserem Vorhaben die nächsten Tage nichts zu tun nur bestärkt. Der Platz selbst verfügt über 1152 Stellplätze und 159 Hütten und zählt mit Erlebnisschwimmbad, Spa-Anlage, Sauna, Golf -und Tennisplätzen, Supermarkt, Bäckerei, Café, Boutiquen, Imbissständen und Restaurants zu einer der größten Ferienanlagen Schwedens. Wirklich beeindruckend was hier geboten wird und auch wer hier alles so zu Gast ist. Umgebaute Reisebusse in denen Großfamilien unterwegs sind haben hier ebenso eingecheckt, wie jede Menge artverwandte unseres fahrb

Umgebaute Omnibusse dienen hier der Großfamilie als Mobilheim

aren Untersatzes. Ein Platz der seines gleichen sucht würde ich sagen. Ein wenig Erleichterung kommt als der uns zugewiesene Abschnitt weit weg vom Trubel liegt. Die sanitären Anlagen sind wie erwartet sehr sauber sowie familiengerecht und auch der dreckigen Wäsche kann es hier einmal ordentlich an den Kragen gehen. Gründe genug um einen dreitätigen Strandurlaub hier im Ressort einzulegen. Ida ist auch begeistert, krabbelt während wir aufbauen ständig zu den norwegischen Nachbarn und sammelt eifrig Kieferzapfen. Fleißig die Maus und auch am fast

menschenleeren Strand voller Tatendrang. Das abendliche Baden im kleinen Becken des Babywaschraums ist ein weiteres Highlight und macht müde für die Nacht. Eine Nacht, die mit Kiefernduft und Meeresrauschen angereichert zu einem wahren Energiespender

Wellness-Tempel für Babys

wird. Am nächsten Morgen werden wir durch durch ein lautes

Klappern geweckt. Ein Blick aus dem Fenster entlarvt eine Möwen-Gang die ohne Rücksicht auf Verluste und auf der Suche nach etwas Essbaren das Geschirr des Vorabends vom Tisch räumt. Das Öffnen der Schiebetür vertreibt das Weck-Kommando und gibt mir die Chance Brötchen zu holen. Eines unserer Klappräder wäre jetzt gut gewesen denke ich bei mir als nach 300 Metern die Badelatschen an den Füßen schmerzen. „Wer Ruhe haben will muss eben leiden!“, schießt mir da als Weisheit des Tages, die ohne weiteres von meiner Mutter stammen könnte, durch den Kopf. Ruhig ist es beim Ressort-Bäcker jedenfalls nicht. Hier wuseln sich Groß und Klein durch die Körbe und Auslagen. Fremdartige Brötchen und jede Menge schwedische Leckereien lassen die wichtigste Mahlzeit des Tages zu einem Schlemmerfest werden. Auf dem

Alle in den Sportarenen und wir allein am Strand. So geht Erholung!

Rückweg wird mir klar, daß der Schwede ansich zwar gern süß isst, aber auch mit Euphorie die überschüssigen Kalorien wieder abtrainiert. Überall treffe ich auf Jogger, Walker und Fahrradfahrer. Ein Zustand der sich wohl vor allem durch die lange Zeit der

Dunkelheit hier oben in den Wintermonaten erklären lässt. Wir lassen uns nicht anstecken, sondern genießen den Tag ohne eine Zielsetzung und Zeitvorgabe. Wir zählen lediglich die Einschläge der Kieferzapfen auf dem Bullidach als nach Tagen des Sonnenscheins ein Regenschauer unseren Standort streift und erfreuen uns an der riesigen, mobilen Vogelvoliere, die die Nachbarn aufgefahren haben um nicht auf ihre Papageien verzichten zu müssen. Auch Armin aus Halberstadt schmuggelt sich mit einem Gespräch im Vorbeigehen in unseren Tag. Armin hat selbst mal einen T3 gefahren, nennt nun aber einen T2 sein eigen mit dem aber der Sohnemann zur Zeit unterwegs sei. Ein Small-Talk der fast schon klassisch ist wenn man als aktiver Bullifahrer auf sein Gefährt angesprochen wird. Viele wollen eigentlich gar nichts über Dich wissen, sondern einfach nur über die eigenen Zeiten sinnieren. Aber ich mag das uns es zeigt mir, dass dieses Auto soviel mehr ist als die Maschine die einen von A nach B bringt. Am letzten Abend gönnen wir uns einen Besuch im Restaurant. Bei perfektem Blick auf das Meer und

„Natürlich“ glücklich ist das Motto des Moments!

leckerem Essen scheint man sehr Nahe am Paradies angekommen zu sein.

Verkalkte Naturwunder und emotionaler West-Coast-Ride

Auf dem Rückweg nach Kalmar wollen wir noch etwas mehr von der Insel sehen und begeben uns auf den Weg nach „Byrums raukar“, einem geschützten Naturdenkmal an der Westküste Ölands,

das sich über eine Länge von rund

Eine Küstenstraße wie aus dem Handbuch für Vanflifer

600 Metern entlang der Küste erstreckt und etwa 120 bizarre Kalksteinformationen hervorgebracht hat. Die Raukar genannten Felsen kommen nur auf den schwedischen Ostseeinseln vor und sind Zeugen einer Erdepoche in der das heutige Baltikum und die Inseln von einem tropischen Ozean bedeckt waren. Man findet immer noch Fossilien im Fels, die aber nicht als Andenken diesen sollten, sondern dort verbleiben müssen. Zu Recht, denn so ein einmaliger Ort sollte auch entsprechend geschützt werden. Die angrenzende Küstenstraße lädt quasi ein von

uns befahren zu werden und wird für mich zum absoluten Highlight dieser Reise was den mobilen Moment anbelangt. Ich empfinde auf dieser Schotterpiste, die nur ein paar Meter vom Meer entfernt ist, ein tiefes, tiefes Gefühl von Freiheit und kann mich an der Landschaft kaum sattsehen. Was für eine Fahrt und was für eine unglaublich schöne Insel! Ein Besuch auf dem benachbarten Gotland, auf der viele Szenen von Pipi Langstrumpf gedreht wurden und die Villa Kunterbunt zu finden ist, haben wir für dieses Mal abgewählt, da die Fahrt mit der Fähre für Ida zu lang wäre und ein kompletter Transport mit Bruno zu teuer.

Der Camping-Fels von Karlskrona

Blick über die Schären-Landschaft Karlskronas

Aber die Schönheit dieser Küstenlandschaft soll uns weiter erhalten bleiben. So wählen wir von nun an eine Strecke, die uns so nah wie möglich am Meer entlangführt. Karlskrona, die Hafenstadt

in der südschwedischen Provinz Blekinge län, ist unser nächster Zwischenstopp. Von Schären umgeben, auf mehr als 30 von Ihnen gebaut und mit den typisch roten Holzhäusern am Ufer überzeugt diese Stadt optisch auf voller Länge. Wir fahren auf einen Campingplatz im Schärengarten von Blekinge, etwa 3 km von der Innenstadt enfernt. Auf einer eigenen Insel gelegen mit wundervollem Blick auf die Insellandschaft rund um Karlskrona weckt auch dieser Platz den Wusch ein wenig länger zu bleiben. Wir parken auf einem kleinem Plateau mit Blick auf die Ostsee und können es eigentlich kaum

Der Hafen von Karlskrona mit dem typisch schwedischem Panorama

fassen, dass diese Tour uns zu soviel einzigartigen Orten führt. Quasi ein riesiger Fels im Meer der zum Campen freigegeben ist. Stadtnah und troztdem inmitten der Natur, denn neben der üppigen Vegetation tragen die heimlichen Wächter dieser Insel hier ziemlich lange Ohren .

Die Kaninchenlöcher um uns herum verraten wem diese Schäre in Wirklichkeit gehört und auch die diebischen Möwen scheinen wieder ein dominante Rolle im animalischen Herrschergeschlecht einzunehmen. Ein Blick vom Steg auf die untergehende Sonne mit der kleinen Ida im Arm lässt eigentlich keine Wünsche mehr offen. Wir sind mittlerweile über zwei Wochen unterwegs und obwohl man über Zeit auf so einer Reise nicht nachdenken darf verrinnt diese im Hinblick auf den weiteren Weg doch ein wenig. Die Entscheidung weiterzuziehen ist am nächsten Morgen demzufolge schnell getroffen und wir verlassen diesen Fels ein wenig schwermütig. Aber die Fahrt entschädigt wie so oft auf dieser Reise. Wir durchfahren jede Menge kleiner Küstenorte, die eine prima Kulisse für einen Wallander-Krimi abgeben würden und ja vielleicht auch schon mal waren. Das Autofahren in Schweden ansich ist sehr entspannt. Ohne Staus, mit viel Kreisverkehr

Die Fischerhütten in der Nachbarschaft

und jeder Menge vorab per Schild angekündigter Radarfallen kommt hier wahrlich keine Eile auf. Für uns sowieso nicht, da man sich mit einer Maximalgeschwindigkeit von 80 km/h sowieso kaum etwas zu schulden kommen lassen kann.

Landschaftsveränderung mit Lichtblicken

Je weiter wir fahren desto mehr gleicht die Gegend der unsrigen in Deutschland. Monokulturen bestimmen das Bild und schmälern ein wenig den Genuss beim Hinausschauen. Erstaunt zähle ich die zahlreichen amerikanischen Oldtimer die uns entgegenkommen. Die Schweden scheinen ein großes Herz für 50er Jahre Karossen wie Buick und Chevrolet zu haben. So eine Liedenschaft kann ich  ja nur zu gut nachvollziehen. Doch für heute haben wir genug Fahrtwind geschnuppert und rollen durch Fjälkinge, einem 1.690 Seelen Ort in der Gemeinde Kristianstad, dem Campingplatz-Schild hinterher. Hier erblicken wir übrigens zum ersten Mal ein Straßen-Warnschild, das auf fahrbahnüberquerende

Auf Brettern, die für mich an diesem Abend die Welt bedeuten

Enten hinweist. Neben Elchen und Wildscheinen scheint man hier auch öfter auf solch gefiederte Familien achten zu müssen. Die sehr durch die landwirtschaftlich geprägte Gegend hat aber auch Ihre idyllischen Enklaven. Landöns Camping, ein kleiner Platz an Skånes einziger

Schärenlandschaft gelegen, ist so ein Örtchen. Mit eigenem kleinen Sandstrand, einem langen Steg über das fast ruhende Wasser und den benachbarten Fischerhütten kann man es hier sehr gut aushalten. Ein ruhiger Abend liegt vor uns den wir gerne genau so annehmen. Am Tag darauf geht es weiter die Küste entlang, bis Bine auf einmal um eine Kehrtwende bittet. Sie hat in einem kleinen Ort einen T3 mit Göttinger Kennzeichen ausgemacht. Ich zögere keine Sekunde und leite das notwendige Mannöver ein. Leider treffen wir die Besitzer nicht an aber hinterlassen einen Aufkleber mit unserem Blog-Logo und einem geschrieben Gruß: „Wir bullifahrenden Göttinger konnten Euch bullifahrenden Göttinger leider nicht antreffen, wüschen Euch aber weiterhin viel Freude in diesem tollen Land!“. Sowas muss sein, vor allem wenn einen dieselbe Stadt und dieselbe Leidenschaft verbindet.

Mit dem Kultauto zu Kultstätten

Das Fischerdorf unterhalb der Kultstätte

Ein paar Fahrkilometer weiter erreichen wir „Ales Stenar“ in der schwedischen Gemeinde Ystad. „Die Steine von Ale“ bilden die größte erhaltene Schiffssetzung in Schweden und eine der populärsten Sehenswürdigkeiten in Skåne. Das über 1.400 Jahre alte Monument steht auf einem Plateau oberhalb der Steilküste in der Nähe eines malerischen Fischerdorfes, rund 20 Kilometer südöstlich von Ystad und wird auch gerne als das schwedische Stonehenge bezeichnet. Eine Schiffssetzung ist eine bootumrissförmige Steinsetzung und markiert Brand- oder Urnengräber. Als wir schweratmend den Weg zu dieser Kultstätte hinter uns lassen kommen wir aus dem Staunen nicht mehr heraus. Man fühlt einerseits die Kraft die von diesem Ort ausgeht und kommt sich zugleich vor wie auf dem Thron der Welt. Der Blick über die 30 Meter Hohe Klippe ist sehr beeindruckend und man meint die Wölbung

Auf dem Thron der Welt

der Erdkugel am Meereshorizont zu erkennen. Ales Stenar besteht aus insgesamt 59 Steinen und weist eine Länge von 67 Metern auf , was gemessen an den sonst üblichen Schiffssetzungen in Schweden schon gewaltige Ausmaße sind. Entgegen allen Erkenntnissen der archäologischen Forschung existiert auch die These, dass Ales Stenar ein archaischer Sonnenkalender ist. So magisch und unvergesslich wie Stonehenge auf jeden Fall,

auch wenn die freilaufenden Kühe wenn sie mal ins Galoppieren kommen und hier oben an gehörnte Lemminge erinnern, die Schwingungen ein wenig durcheinander bringen. „Frischer Fisch muss aufs Brötchen und in die Öffnung unter die Nase“, witzele ich und führe meine Familie wieder hinab ins Fischerdorf. Gesättigt und die Gischt der aufgewühlten Ostsee im Haar verlassen wir diesen Ort und

Idylle pur in Nybrostrand

sind noch lange von dem Ausblick dieser Winkingerstätte angetan. Quasi um die Ecke checken

wir im Camp von Nybrostrand ein. Einem kleinen, naturbelassenen Platz direkt hinter den Dünen. Fischerboote liegen im Strandhafer und man hört das Meeresrauschen deutlich in Dauerschleife. Für mich tinitusgeplagten Ex-Musiker eine echte Wohltat. Ida mag den Platz ebenfalls sehr, sammelt Steine und hat Spaß daran die dreckigen Hände in ihrem runden Gesicht abzuwischen. Man meint sie wolle mit dieser Tarnung eins mit der Umgebung werden. Das kann man auch denn so nah Meer verspürt man immer wieder die enorme Verbundenheit des Mensc

Der Tanz mit Umas Oma

hen zur Natur. Der letzte Abend auf schwedischem Grund geht schnell zu Ende. Die Luft macht das Baby müde und Mama und Papa folgen dem Sprössling ohne zu zögern. Einschlafprobleme sind hier endlich zum Fremdwort geworden. Die Fähre nach Sassnitz auf Rügen startet am Tag darauf erst am Nachmittag. Wir wollen die Zeit nutzen und die Hafenstadt Trelleborg erkunden. Eine Tour durch das Innere lässt aber

nicht die erhoffte Stimmung aufkommen. Es ist Sonntag und die Straßen sind wie leergefegt. Im Vorbeifahren erblicken wir noch den Nachbau der Wikingerburg Trelleborgen, welche die einzige Rekonstruktion einer wikingerzeitlichen Ringburg auf schwedischem Boden ist. Ansonsten hat Trelleborg viel Industrie zu bieten und somit nichts was uns noch Stunden beschäftigen könnte. Wir fahren ein paar Kilometer zurück zum Hafen Smygehuk, dem südlichsten Festlandpunkt Schwedens. Hier kann man prima flanieren, am weiss-steinigen Ufer nach Hühnergöttern suchen, Fisch essen und in den Shops auf Souvenirjagd gehen. Zudem bittet die Großmutter des Hollywood-Stars Uma Thurman in Form einer Staue für jene sie Modell gestanden hat zum Tanz. Ein rührender Abschluss für den schwedischen Teil dieser Reise aber auch ein Versprechen wieder in diese wundervolle Land zu kommen.

Zurück zur Insel

Auf Wiedersehen Schweden! Nun aber ab in den Koloss.

Der Check-In auf die per Internet gebuchte Fähre steht an. Auch Ida mit ihren nun zehn Monaten braucht einen Personalausweis um auf das Schiff zu kommen. Wir beobachten erstaunt was alles

aus dem Bauch des riesigen Wasserkreuzers herausrollt. Meine altbekannten Beklemmungen setzen in dem Moment ein, als uns der stählerne Koloss in seinem Inneren verschluckt. Als ich den Kinderwagen durch einen Gang rauf an Deck trage, der von der Größe einem Notfallschacht deutscher U-Boote aus dem zweiten Weltkrieg gleicht bin ich erstmal bedient. Oben an der frischen Seeluft aklimatisiere ich mich so langsam und beschäftige mich damit Ida nicht in die Pfütze neben dem Hund zu krabbeln. Zeitvertreib braucht es in diesen Stunden auf dem Meer und obwohl das Schiff eine Kantine, Spielsalons und einen Duty-Free-Shop zu bieten hat kann ich es kaum erwarten auf vier Rädern weiter zu fahren. Als wenn unser imaginärer Eventplaner das eingefädelt hätte schippern wir zum Sonnenuntergang an den Kreidefelsen der Insel Rügen vorbei. Ich war schon einige Male auf

Rügen: Was für eine Begrüßung!

Deutschlands größter Insel aber die Kreidefelsen aus dieser Perspektive und in diesem außergewöhnlichen Licht habe ich so noch nie gesehen. Online haben wir am Vortag auch nach einer Übernachtungsmöglichkeit in Sassnitz gesucht. Da die Campingplätze zu dieser Uhrzeit keinen mehr aufnehmen fiel unsere Wahl durch Lust auf ein echtes Bett gesteuert auf die „Villa Sophia“. Das Haus aus der Gründerzeit hatte tatsächlich noch ein Zimmer frei und kann uns zu später Stunde noch Einlass gewähren. Eine Dusche und dann ab ins echte Bett. Ein komisches Gefühl nach all der Zeit und keines, dass mich wirklich jubeln lässt. Man gewöhnt sich eben an das was man tagelang unter sich hatte. Der Blick am Morgen aus dem Fenster ist allerdings schon besonders. Die Ostsee wieder einmal in ihrer vollen Pracht direkt vor uns. Am Frühstückstisch treffen wir auf ein schwedisches Pärchen, dass hier in Deutschland Urlaub machen möchte und sich über die unangekündigten Radarfallen am

Zur Abwechslung mal ein Bett…Die Villa für eine Nacht!

Straßenrand aufregt. Auch mit dem Bargeld kommen sie hier nicht so klar erzählen sie.

Bine gibt den beiden auf Englisch noch Tipps für ihre Städtereise und verweist scherzhaft auf die Kellerbar hier im Gebäude die sich „Schwedenschanze“ nennt.
Wir wollen ebenfalls weiter und uns für ein paar Tage in Göhren einnisten. Im sogenannten „Regenbogen Camp“ habe ich als junger Erwachsener wilde Urlaube verbracht und war schon damals von der Umgebung recht angetan. Der Platz ist riesig und schient sehr professionell geführt zu sein. Zumindest auf den ersten Blick, denn die lange Wartezeit an der Rezeption, die kaputten Waschmaschinen und die fehlende Mikrowelle um das Essen für Ida warm zu machen schrecken doch schon sehr ab. Der Strand ist so wie ich ihn in Erinnerung hatte, lang, weiß, gepflegt und fein. Am Abend wird es Zeit uns die original

Erfolgreiche Spotsuche auf Rügen…

schwedischen Hackbällchen zu braten. Das lukullische Mitbringsel ist ein echter Genuß und nochmal eine kleine Kehrtwende

zumindest gedanklich. Die Tage füllen wir mit allerlei Entdeckertouren. Eine Fahrt in der Dampflok „Rasender Roland“, ein Besuch des Seebads Sellin und das Anfahren ein paar einsamer Spots nah am Wasser die uns ein befreundeter Bullifahrer zugeschickt hat runden diesen leider noch zu kurzen Inselbesuch ab. Auf dem Nachhauseweg soll es noch zum Bullitreffen nach Neustadt-Glewe gehen. Ein wenig Trubel um sich wieder an den Alltag zu gewöhnen.
Somit endet unsere dreiwöchige Reise, die uns 3000 Kilometer durch drei Länder und über fünf Inseln

Die Tour im Überblick

geführt

hat. Ich für meinen Teil kann nur sagen, dass die Tour meine

kühnsten Vorstellungen übertroffen hat, denn das Wetter war einfach gut, Ida hat das mehr als prima gemeistert, der Bus hat keinerlei technischen Ausfälle gehabt und die

Orte an denen wir waren können schöner kaum sein. Diese Reise ist oft Thema unserer Unterhaltungen und die Fotos werden von Ida fast täglich zum Anschauen eingefordert. Ein Traum der sich erfüllt hat und Lust auf mehr macht, denn das kann nur der Anfang gewesen sein. Die Welt das Draußen ist einfach zu schön um sie vom Fernseher aus zu betrachten. Reize sind also da, aber Schweden werden wir immer als unsere erste große Liebe ansehen.

Wer übrigens in komprimierter Form die Tipps für Nachahmer dieser Reise nachlesen möchte kann dies im Blog von Fritz Berger tun. Viel Spaß dabei und vor allem viel Freude auf Euren Touren!

Hier geht es zum ersten Teil des Roadtrips…

Hier geht es zum zweiten Teil des Roadtrips…

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